Trierischer Volksfreund, 17.05.2016

Gewalt in allen Formen begegnen: Wie ein Arbeitskreis in der Region jüngere und ältere Menschen sensibilisieren will

Bewährtes Orga-Trio der Projektwochen (von links): Programmkoordinatorin Ingrid Sauer, Exhaus-Streetworker Cornelius Günther und Bundespolizist Ralf Weiler.


gwpfotoexhaus16 TV-Foto: Frank Göbel

(Trier/Saarburg) Heute beginnen die 18. Projektwochen zur Gewaltprävention, ausgerichtet vom Arbeitskreis Gewaltprävention der Stadt Trier und des Kreises Trier-Saarburg. Bis zum 7. Juli wird in rund 45 Einzelveranstaltungen beleuchtet, wie Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Erzieher auf Gewalt reagieren können – und was Gewalt eigentlich ist.


Trier/Saarburg. “Wenn man Kinder fragt, was Gewalt ist, kommen sie natürlich ganz schnell auf die körperliche Erscheinungsform”, sagt Arbeitskreis-Mitglied Ralf Weiler, der als Bundespolizist regelmäßig zum Thema in Schulen auftritt. “Aber nach etwas Nachdenken kommen sie dann auch darauf, dass es auch Gewalt ist, wenn man zum Beispiel dazu gebracht wird, Sachen zu machen, die man gar nicht will – etwa durch Gruppenzwang.”
Anlaufstelle seit 1999 Der Arbeitskreis Gewaltprävention wurde 1999 begründet und sieht sich als Anlauf- und Vermittlungsstelle für alle am Thema Interessierten. Mitglieder sind beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Frieden, Jugendzentren wie Exhaus, Mergener Hof und Palais, das Jugendnetzwerk Konz, aber auch die Polizei, Beratungsstellen wie Pro Familia und die Tür, außerdem die Stadt Trier, etwa über das Jugendamt und das Haus des Jugendrechts.
Neben ganzjährigen Angeboten wie Streitschlichter-Ausbildungen richten sich die jährlichen Aktionswochen stets gleichermaßen an Kinder und Jugendliche selbst, aber auch an ihre erwachsenen Bezugspersonen wie Eltern, Lehrer oder Erzieher. Bei Theaterstücken und Seminaren, Sportturnieren und Kletterworkshops sollen möglichst viele eingebunden werden. So wurde etwa das Theaterstück “Wir tricksen euch aus!” sogar von Jugendlichen selbst gestaltet, nämlich von Schülern des Fachs “Darstellendes Spiel” an der Integrierten Gesamtschule Trier. In Sprechchören offenbaren die Siebtklässler ihr Denken, Fühlen, Wollen. Sie wagen Kritik, äußern Protest.
Ein Dauerbrenner, der durch die neuen Medien eine neue Erscheinungsform angenommen hat, ist das Mobbing. “Das beschäftigt uns die vergangenen Jahre wirklich durchgängig”, sagt Programm-Koordinatorin Ingrid Sauer. “Ob es jetzt als Cybermobbing in sozialen Netzwerken passiert oder in direkter Form auf dem Schulhof.”Auch Exhaus-Streetworker Cornelius Günther hat da schon erschreckende Erfahrungen gemacht: “Da haben mir Kinder auf ihren Handys kompromittierende Fotos von anderen gezeigt – ohne jedes Unrechtsbewusstsein, so nach dem Motto: ,Guck mal, wie blöd die ist, dass die so Bilder von sich teilt.’” Dabei sei der ursprüngliche Adressat ein ganz anderer gewesen. “Aber gerade Jüngere sind da natürlich teilweise sehr naiv und überblicken nicht, wie sich Sachen über das Internet verbreiten und welche langfristigen Folgen so etwas haben kann.”Ein neuer, Erfolg versprechender Ansatz bei Mobbing ist der “No-Blame-Approach” (Ansatz ohne Schuldzuweisung): Dabei werden wichtige Akteure, auch Täter, in die Lösung des Konflikts einbezogen. Während der Aktionswochen können interessierte Pädagogen die dreistufige Methode in einem Seminar erlernen.Auch ein Stück des Weimarer Kulturexpress befasst sich mit dem Thema. Zum zweiten Mal kommt dafür eine Theatergruppe aus der Partnerstadt an die Mosel. Dass das Thema und die Herangehensweise hochaktuell sind, zeigt das starke Interesse: Die geplanten Aufführungen in der Tufa sind bereits alle ausverkauft.
Das Programm der Projektwochen sowie Informationen zu ganzjährigen Angeboten des Arbeitskreises stehen im Internet

 

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