Trierischer Volksfreund,  25. Mai 2017

GWPFachtag17 Foto/TV

Wer stark ist, schlägt nicht zu - Das Schuldbewußtsein von Kindern und Jugendlichen stärken ist das Ziel des Arbeitskreises Gewaltprävention. Zum Auftakt der Aktionswochen stehen jedoch erst einmal Erwachsene im Mittelpunkt.

Trier. Türen öffnen sich, und heraus strömen Gruppen angeregt plaudernder Menschen. Eine ausgelassene “Geschafft”-Stimmung liegt in der Luft.
Ein wenig abgekämpft, doch bereichert versammeln sich die Teilnehmer nach zwei Vorträgen und zwei Stunden Workshop-Arbeit zur Abschlussrunde im Foyer der Europäischen Sportakademie.

Schulsozialarbeiterin Severine Minas will die Eindrücke des Tages erst einmal sacken lassen. “Ich kannte das Konzept der ,Neuen Autorität’ schon vorher und habe mich gefreut, mir diesen Vortrag anhören zu können”, erklärt sie ihr Interesse. “Es war spannend, im Workshop einmal einen Schritt zurückzutreten und von außen zu betrachten: Wie gehe ich eigentlich mit herausfordernden Situationen um?” Seit zwei Jahrzehnten widmet sich der Arbeitskreis dem Thema Gewaltprävention und geht in diesem Jahr mit den Veranstaltungswochen in die 19. Runde. Erreichen wollen die Beteiligten vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter.
Auf vielfältige Weise sollen junge und erwachsene Teilnehmer für das Thema Gewalt sensibilisiert werden und lernen, Konflikten mit selbstbewusster Haltung friedfertig zu begegnen. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildete der Fachtag zum Thema “Stärke statt (Ohn-)Macht”, der mit etwa 90 Anmeldungen mehr Zuspruch fand als je zuvor.
Roland Büchner und Stefan Fischer vom Berliner Institut für Soziale Kompetenz und Gewaltprävention waren nach Trier gekommen, um das Konzept der “Neuen Autorität’ näherzubringen. “Es geht nicht darum, Macht über Kinder auszuüben. Das Konzept fängt bei den Erwachsenen an: Sie müssen sich selbst hinterfragen und zu eigener Veränderung bereit sein. Ich kann von keinem Kind verlangen, sich zu ändern, wenn ich es selbst nicht tue”, fasst Büchner den Kern des Konzeptes zusammen.

Um die Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber ging es in Vortrag und Workshop von Psychologin Dr. Andrea Mohr von der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier. Sie erklärt: “Nur wenn ich in Kontakt mit mir selbst bin, kann ich auch meinem Gegenüber mit derselben Achtsamkeit begegnen.”
Im Arbeitskreis Gewaltprävention arbeiten Polizei, Sport, Schulen und Kultureinrichtungen aus der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg zusammen. Diese Vernetzung sei einzigartig in Rheinland-Pfalz, sagt Koordinatorin Ingrid Sauer: “Wir sind dadurch in der Lage, das Problem Gewalt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und die Aufgaben auf vielen Schultern zu verteilen.”
Bis zum 29. Juni lädt der Arbeitskreis zu zahlreichen Veranstaltungen ein: Von Theater- und Filmaufführungen über Info-Veranstaltungen und weiteren Workshops bis hin zu Straßenfußball und kooperativen Spielen dreht sich in den nächsten Wochen alles um ein starkes und respektvolles Miteinander.
Das gesamte Programm ist im Internet abrufbar: www.gewaltpraevention-treir.de

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